Ö-Meisterschaften im Marathon in Linz – Mit Herz, Schweiß und Gänsehaut zur Silbermedaille
Am 13. April 2025 war es soweit: Mein erster Wettkampf für den Verein Im Wald läuft’s – und dann gleich bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften im Marathon, ausgetragen im Rahmen des Linz Donau Marathons. Ein besonderer Tag, ein besonderes Rennen – mit allem, was dazugehört.
Noch vor dem Start war die Atmosphäre auf der VOEST-Donau-Brücke elektrisierend. Zwischen internationalen Topläufern wie Peter Herzog und Mario Bauernfeind, einigen schnellen Kenianern und vielen bekannten Gesichtern aus der heimischen Laufszene stand ich in der Masterklasse M55 an der Startlinie ganz vorne. Ich – mittendrin. Ein bisschen Demut, viel Vorfreude und vor allem: Respekt. Der Himmel war bewölkt, die Temperaturen ideal und fast windstill. Und doch: Das Ziel war klar. Unter drei Stunden. Mehr wollte ich angesichts meiner eher holprigen Vorbereitung gar nicht verlangen.
Der Startschuss fiel – und Linz vibrierte. Die Euphorie der Zuschauer, die sich in der Innenstadt dicht an dicht an der Strecke versammelt hatten, trug mich beinahe schwerelos über die ersten Kilometer. Ich nahm mir vor, die erste Hälfte kontrolliert anzugehen – und dennoch war ich bei der Halbmarathonmarke mit 1:26:45 etwas schneller als geplant. Die Stimmung? Unbeschreiblich. Gänsehaut bei jeder Musikgruppe, bei jedem Zuruf aus dem Publikum. Linz zeigte sich von seiner besten Seite.
Doch was nach dem pulsierenden Zentrum kam, war ein ganz anderes Kapitel. Richtung Wasserwald – der grünen Lunge von Linz – wurde es still. Keine Zuschauer, keine Gruppe, die mich tragen konnte. Plötzlich war ich allein – nur der Asphalt, mein Atem und der Rhythmus der Schritte. Und natürlich diese leise Stimme im Kopf: Wird das heute reichen?
Ab Kilometer 35 wurden die Beine schwer. Richtig schwer. Die Pace sackte – 4:18, dann 4:21. Jeder Meter war nun ein Kampf gegen die Müdigkeit, gegen die Muskeln, die langsam dichtmachten. Doch es gab da etwas, das mich weitertrieb: Anita. Meine Frau, die an verschiedenen Punkten entlang der Strecke wartete, mir zurief, mir zulächelte – und mir genau die Kraft gab, die ich in diesen Momenten so dringend brauchte.
Dann: Die letzten zwei Kilometer. Der Zielbereich in Reichweite. Ich wusste: Ich würde es schaffen. Aber Linz hatte noch einen letzten Prüfstein parat – Pflastersteine. Jeder Schritt eine kleine Explosion in den Oberschenkeln. Es war, als würde die Stadt sagen: Wenn du hier durchkommst, hast du’s verdient. Und ich kam durch.
2:56:58 – an diesem Tag persönlicher Triumph, Silber in der AK M55 bei den österreichischen Meisterschaften, Silber auch in der Gesamtwertung der Altersklasse. Und das schönste: Anita erwartete mich im Zielbereich mit offenen Armen. Erschöpft, aber überglücklich konnten wir diesen Moment gemeinsam genießen.
Linz, du warst hart – aber wunderschön.